Filz ist der gutmütigste Stoff, den es für eine Tasche gibt. Er franst nicht aus, also musst du nichts säumen, versäubern oder füttern. Er steht von allein. Und die Nähte dürfen ruhig außen sitzen, denn genau das macht den Look aus. Deshalb ist eine Filztasche nähen das perfekte Projekt, wenn du gerade erst eine Nähmaschine hast oder jemandem etwas Selbstgemachtes schenken willst, ohne dafür ein ganzes Wochenende zu opfern.

Mit dem kostenlosen Schnittmuster unten nähst du einen Shopper von 38 × 40 × 10 cm aus einem Meter Taschenfilz in 3 mm. Dabei bleibt sogar noch ein ordentliches Reststück übrig. Rechne mit etwa einer Stunde Nähzeit und rund 15 Euro Material.

Kostenloses Schnittmuster herunterladen (PDF)

Das brauchst du

  • 1 Meter Taschenfilz 3 mm, 90 cm breit (9,95 € pro Meter)
  • 1,30 Meter Gurtband aus Baumwolle, 40 mm breit, für zwei Henkel à 65 cm (2,64 m für die durchgehende Variante)
  • Starkes Nähgarn in passender Farbe
  • Eine Nähmaschinennadel 100/16 (Jeans oder Universal)
  • Rollschneider und Schneidematte (oder eine scharfe Stoffschere), Lineal, Kreide und Klammern

Du bist dir bei der Farbe unsicher? Schöne Kombinationen sind Kamel mit naturfarbenen Henkeln, Petrol mit Schwarz oder Beige meliert mit Marine. Auf der Musterkarte siehst du alle Farben nebeneinander.

Warum 3 mm und kein Bastelfilz? Bastelfilz mit 1,5 mm ist prima für Bastelarbeiten und Applikationen. Eine Tasche daraus sackt aber zusammen und leiert an den Henkeln aus. Taschenfilz wiegt 580 Gramm pro m² und behält seine Form, auch mit vollem Einkauf.

Das kostenlose Schnittmuster

Das Schnittmuster hat zwei DIN-A4-Seiten. Auf Seite 1 findest du die Maße, den Zuschnittplan und die Markierungen. Seite 2 enthält ein Kontrollquadrat und eine Henkelschablone in Originalgröße sowie Detailzeichnungen zur Henkelposition, zur Bodenecke und zur Innentasche. Drucke Seite 2 mit 100 %, also nicht mit „an Seite anpassen“, und prüfe, ob das Kontrollquadrat genau 5 × 5 cm misst.

Schritt 1: Zuschneiden

Alle Schnittteile sind Rechtecke. Du zeichnest sie also mit dem Lineal direkt auf den Filz. Die Nahtzugabe von 1 cm ist in den Maßen schon enthalten.

TeilMaßAnzahl
A Korpus: Vorderteil, Boden und Rückteil in einem Stück40 × 90 cm1×
B Seitenteil12 × 41 cm2×
C Innentasche20 × 15 cm1×
D Henkel (Gurtband)65 cm2×

Zuschnittplan Filztasche auf 1 Meter Taschenfilz, 90 cm breit

Teil A liegt über die volle Stoffbreite von 90 cm. Zeichne bei 40 und 50 cm ab einer kurzen Kante eine Linie quer über das Teil. Dazwischen liegt der Boden. Schneide an diesen vier Punkten an beiden Längskanten 1 cm ein. Das klingt nach einem Detail, aber ohne diesen Einschnitt bekommst du die Ecke nicht flach.

Teil A der Filztasche: bei 40 und 50 cm an beiden Seiten 1 cm einschneiden

Tipp: Nimm einen Rollschneider statt einer Schere. Damit bekommst du eine saubere, gerade Schnittkante. Bei einer Tasche mit außenliegenden Nähten sieht man jeden Scherenschnitt.

Schritt 2: Maschine einstellen

  • Nadel 100/16 (Jeans oder Universal). An den Henkeln nähst du durch drei Lagen: zweimal Filz plus Gurtband.
  • Stichlänge 3,5 bis 4 mm. Kurze Stiche perforieren den Filz und schwächen die Naht.
  • Nähfußdruck etwas verringern, falls deine Maschine das kann. Hast du einen Obertransportfuß? Dann benutze ihn.
  • Nähe zuerst eine Probe aus zwei Lagen Restfilz. Erst danach geht es an die Tasche.

Schritt 3: Henkel annähen

Lege die Henkel auf die Außenseite von Vorder- und Rückteil. Die Außenkante jedes Henkels liegt 10 cm von der Längskante von Teil A entfernt. Das Ende liegt 5 cm auf der Tasche, gemessen ab der Oberkante. Zeichne mit der Schablone aus dem PDF ein Quadrat mit Kreuz (ein Box-X) und nähe es zweimal rundherum. Dieser Kreuzstich fängt das Gewicht ab. Eine einzelne gerade Naht reißt nach ein paar schweren Einkäufen aus.

Prüfe, dass der Henkel nicht verdreht liegt, bevor du das zweite Ende festnähst.

Stabilere Variante: durchgehende Henkel

Trägst du oft Schweres darin? Dann lass die Henkel über das ganze Vorder- und Rückteil bis zur Bodenlinie laufen. Pro Henkel brauchst du 132 cm Gurtband, also 2,64 Meter für die ganze Tasche. Schlage beide Enden 1 cm um und lege sie auf die Bodenlinie (40 und 50 cm auf Teil A). Steppe das Band an beiden Längskanten fest, von der Bodenlinie bis zur Oberkante. An der Oberkante nähst du wieder ein Box-X. So hängt das Gewicht an der ganzen Tasche statt an ein paar Zentimetern Filz.

Schritt 4: Innentasche

Lege Teil C mittig auf die Innenseite des Rückteils, 8 cm unter der Oberkante. Nähe drei Seiten zu und lass die Oberkante offen. Mit einer zusätzlichen senkrechten Naht bei 12 cm entsteht ein schmales Fach für dein Handy. Säumen musst du auch hier nicht.

Schritt 5: Seitenteile einnähen

Das ist der einzige Schritt, für den du dir kurz Ruhe nehmen solltest.

  1. Lege ein Seitenteil B links auf links an die Seite des Vorderteils. Die Naht liegt also außen. Oberkanten bündig, Klammern drauf. Stecknadeln hinterlassen Löcher im Filz, Klammern nicht.
  2. Nähe mit 1 cm Abstand zur Kante nach unten, bis genau 1 cm vor die Bodenlinie. Lass die Nadel unten.
  3. Hebe den Nähfuß an und drehe das Werkstück um 90°. Der Einschnitt aus Schritt 1 lässt die Zugabe von Teil A um die Ecke auffächern.
  4. Nähe über den Boden (10 cm), drehe an der nächsten Ecke erneut und nähe am Rückteil hoch.
  5. Wiederhole das auf der anderen Seite. Anfang und Ende gut verriegeln.

Schritt 6: Fertigstellen

Schneide die außenliegende Nahtzugabe mit dem Rollschneider gerade auf etwa 7 mm zurück. So wird die Kante sauber. Du willst weichere Ecken an der Oberkante? Runde sie mit einer 2-Euro-Münze als Schablone ab. Bügeln ist nicht nötig. Muss doch mal eine Knitterfalte raus, nimm die niedrigste Stufe und ein Tuch dazwischen: Taschenfilz ist Polyester und kann schmelzen.

Varianten mit demselben Schnitt

  • Zweifarbig: Schneide die Seitenteile aus einer Kontrastfarbe zu.
  • Schultertasche: Nimm zwei Henkel à 110 cm statt 65 cm.
  • Laptoptasche: Teil A 34 × 72 cm, Seitenteile 7 × 34,5 cm. Darin passt ein 14-Zoll-Laptop mit dünner Hülle.
  • Geschenk aus dem Rest: Aus dem Reststück schneidest du noch Untersetzer, einen Schlüsselanhänger oder ein Etui zu.

Die meisten misslungenen Taschen scheitern an denselben Stellen: Henkel mit nur einer Naht, zu kurze Stiche oder keine Nähprobe. In Eine Tasche nähen: die 5 Fehler, die dir das Ergebnis versauen liest du, was schiefgeht und wie du es vermeidest.

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Häufige Fragen

Kann ich eine Filztasche waschen?

Lieber nicht in der Maschine. Taschenfilz ist nicht gewebt und kann in der Trommel fusseln oder sich verziehen. Flecken entfernst du mit einem feuchten Tuch und etwas milder Seife. Lass die Tasche danach liegend trocknen.

Schafft eine normale Nähmaschine 3 mm Filz?

Ja. Zwei Lagen sind 6 mm, und die meisten Haushaltsnähmaschinen schaffen das mit einer Nadel 100/16 und einem langen Stich. Nur an den Henkeln, wo drei Lagen liegen, nähst du langsam. Dreh dort notfalls das Handrad von Hand.

Wie viel Filz brauche ich für zwei Taschen?

Etwa 1,25 Meter. Lege zweimal Teil A untereinander (zusammen 80 cm). Die vier Seitenteile und zwei Innentaschen passen danach nebeneinander in einen Streifen von 41 cm. Wenn du Spielraum für einen Fehlschnitt willst, nimm 1,5 Meter.

Darf ich Taschen nach diesem Schnittmuster verkaufen?

Ja, Taschen, die du selbst nähst, darfst du verkaufen. Das PDF-Schnittmuster selbst darfst du nicht weiterverkaufen oder als eigenes Schnittmuster teilen. Verlinke lieber auf diese Seite.

Was ist der Unterschied zwischen Taschenfilz und Wollfilz?

Taschenfilz ist 100 % Polyester: fest, farbecht und günstig. Wollfilz fühlt sich wärmer und edler an, ist aber teurer und empfindlicher gegen Feuchtigkeit. Für eine Tasche, die du täglich benutzt, ist Taschenfilz die praktische Wahl.